Man sieht nur mit dem Herzen gut...

...Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“ (aus Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry)

 

 

Unsere Gesellschaft ist zum größten Teil „verstand-gesteuert“. Nur was wissenschaftlich beweisbar ist, nur was mit der Logik zu erklären ist, hat Berechtigung. So leben wir abgekoppelt von unseren Emotionen und davon was unsere Seele wirklich braucht um ein erfülltes, glückliches, liebevolles und gesundes Leben zu leben. Die weiseren Entscheidungen trifft man aus dem Herzen, vielleicht nicht immer die logischen und manchmal auch sehr verrückte, nicht gesellschaftskonforme, aber voller Liebe und in Einklang mit der eigenen Bestimmung.

Viele haben den Kontakt zu ihrem Herzen verloren bzw. ist es so eingemauert, dass sie kein Gefühl mehr dafür haben. Wir bauen Mauern um unser Herz weil wir verletzt wurden, weil wir Ängste mit uns herum tragen. Wir wollen uns schützen. Dadurch überleben wir aber nur und haben verlernt zu leben. Ja, dafür braucht es Mut. Mit einem offenen Herz durchs Leben zu gehen ist oft auch schmerzhaft, wenn man die Ungerechtigkeit in der Welt wahrnimmt, auf Unverständnis stößt oder den Frust und die Lieblosigkeit anderer abbekommt. Aber es ist auch ein Geschenk. Es gibt viel mehr Für als Wider. Und man kann auch lernen sich zu schützen ohne eine Mauer auf zu bauen.

 

Im yogischen Kontext erinnert mich dieser Spruch daran, dass es nicht um die Form einer Asana (Yogahaltung) geht. Nicht darum was ich im Spiegel sehe und wie die Haltung auszusehen hat, sondern wie sie sich anfühlt. Wenn z.B. mein Tadasana (die Berghaltung) zwar akkurat aufgebaut ist, ich mich aber innerlich total wackelig, unsicher, nicht verwurzelt fühle, dann bin ich eben noch nicht in der Haltung angekommen. Weil jeder von uns einen einzigarten Körper hat, gibt es so etwas wie die perfekte Form einer Haltung sowieso nicht. Du musst für dich und deinen Körper die perfekte Form durch wahrnehmen und erfühlen finden.

 

Im Gesang passt der Spruch auch wunderbar. Auch hier geht es darum aus dem Gefühl, also mit dem Herzen, zu singen. Ich habe schon fantastische Sänger gehört, die technisch perfekt gesungen haben und es hat mich überhaupt nicht berührt. Aber ich habe Sänger gehört die mit Herz, Leib und Seele gesungen haben, es war vielleicht nicht alles perfekt, aber ich hatte Gänsehaut und war zutiefst berührt.

 

 

Wir dürfen sowohl auf der Matte als auch im Leben wieder lernen mehr zu fühlen und wahrzunehmen. Den Verstand beruhigen, atmen, uns mit dem Herzen verbinden und hören was es uns zu sagen hat. Vielleicht ist deine Herzensstimme erst noch ganz leise oder sogar ganz verstummt. Was auch immer da ist, es ist okay. Hör einfach nicht auf zu üben. Versuch die Mauer Stein für Stein abzubauen und gib auch nicht auf wenn ein Stein, den du schon zur Seite geräumt hat, plötzlich wieder da ist. Es lohnt sich! Denn es ist die bedingungslos Liebe für uns selbst, für andere und von anderen, für die Natur und alle Lebewesen, die unser Leben lebenswert macht.